Beursreview 2017

Rekordjahr!

In diesem Juni kamen über 4.000 Besucher zur Electric & Hybrid Marine World Expo in Amsterdam (6.-8. Juni 2017), wo über 130 Exponate zu sehen waren und es bei rund 60 Konferenzvorträgen viel zu lernen gab. In diesem Jahr zählte die Messe mehr Besucher, mehr Teilnehmer und mehr Exponate als jemals zuvor. Doch auch die Anzahl der Technologieneuheiten, die auf der Messe vorgestellt wurden, war äußerst beeindruckend. Der Erfolg der Electric & Hybrid Marine World Expo 2017, die sich als größte Fachmesse und Konferenz der Welt für Schiffsantriebe etabliert hat, war ein klares Signal, dass elektrische Unterstützung für die Schifffahrtsbranche von zentraler Bedeutung ist.

Ein gutes Beispiel ist Renk. Das Unternehmen präsentierte sein neues MARHY-Konzept (Hybridlösungen für Schiffe). Dieses ermöglicht den Nutzern von Zweitaktmotoren, elektrische Energie entweder für den Antrieb oder zur Stromerzeugung einzusetzen.

Das MARHY-System ist mit einem Tunnelgetriebe und einer Propellerwellenkupplung ausgestattet, über die der Zweitaktmotor mit dem Elektromotor gekoppelt werden kann. Die elektrische Komponente umfasst einen asynchronen Motor, aktive Front-End-Frequenzumrichter und Kupplungen.

MARHY kann mit Fest- und Verstellpropellern eingesetzt werden. Das System eignet sich auch für Schiffseigner, welche die Anzahl der an einem Schiff eingesetzten Dieselaggregate reduzieren möchten – entweder durch Stromerzeugung zur Speicherung in einer Batterie oder durch die Möglichkeit, den Hauptmotor als Generator einzusetzen.

MAN Rollo hingegen gab bekannt, dass es zwei Motoren vom Typ MAN D2676LE424 mit einer Leistung von jeweils 382 kW bei 1.800 U/min für das RPA8 geliefert hat, ein Patrouillenboot mit Hybridtechnik, das die Rotterdamer Hafenbehörde bei Kooiman Shipyard in Auftrag gegeben hat.

Bei der Ausschreibung des Patrouillenboots legte die Rotterdamer Hafenbehörde fest, dass das Schiff über einen Hybridantrieb verfügen muss, der dieselelektrische Energie und Dieseldirektenergie kombiniert. Dabei treibt die dieselelektrische Energie einen der Motoren bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h an. Die Dieseldirektenergie treibt die beiden Hauptmotoren bei Geschwindigkeiten zwischen 25 km/h und 35 km/h an.

„Diese Motoren sind sehr modern und verfügen über das neueste Common-Rail-Einspritzsystem“, so Karel Schuurman, Vertriebsleiter bei MAN Rollo. „Aus diesem Grund bleibt ihr Treibstoffverbrauch gering, und die Abgasemissionen liegen unterhalb der in den weltweiten Emissionsstandards vorgegebenen Werte.“

Auf der Messe gab The Switch bekannt, dass das Unternehmen seinen ersten DC-Hub an das britische Fährunternehmen Wightlink geliefert hat. Das System soll in die neue dieselelektrische Hybridfähre des Betreibers eingebaut werden.

„Der DC-Hub gewährleistet, dass Schiffsgeneratoren mit optimaler Effizienz laufen können. Die Akkus entlasten das System bei notwendigen Lastveränderungen“, so Asbjørn Halsebakke, Geschäftsführer, The Switch Marine Drives Norway. „Dies senkt den Kraftstoffverbrauch erheblich – und damit auch die Betriebskosten und die Umweltbelastung. Da das System auf einem Gleichstromnetz basiert, können die Akkus als Standby-Stromquellen dienen, sodass die Generatoren ganz abgeschaltet werden können. Kürzere Betriebszeiten bedeuten weniger Wartung und geringeren Kraftstoffverbrauch.“

Der DC-Hub wird von Wärtsilä in der Cemre-Werft im türkischen Yalova in die 90 Meter lange neue Fähre montiert. Im Schiff findet sich Platz für 178 Pkw und über 1200 Passagiere. Es ist Teil von „Investing for the Future“, eines von Whitelink eingeleiteten Investitionsprogramms im Umfang von 58 Mio. US-Dollar, und soll im Sommer 2018 im Solent den Betrieb aufnehmen.

The Switch hat zudem zwei neue DC-Hub-Lieferungen in der Pipeline und wird im kommenden Monat fünf neue Mitarbeiter einstellen, um sich auf die steigende Nachfrage vorzubereiten.

Die Besucher der World Expo lobten übereinstimmend die Vielfalt der ausgestellten Produkte sowie die Networking-Möglichkeiten, die die Ausstellung bot. Dennis Harjamaa, Yachtdesigner, Artnautica Yacht Design, schwärmt: „Ich arbeite im Freizeitbootsektor in Neuseeland, und immer mehr Menschen erkundigen sich nach elektrischen Antrieben. Ich bin zur Expo gereist, damit ich meinen potenziellen Kunden fundiertere Antworten zu neuen Technologien geben kann. Durch das, was ich auf der Messe gesehen habe, kann ich nun sagen, in welche Richtung sich die Dinge künftig entwickeln werden.“

Srinivasan Duraiswamy, Abteilungsleiter für neue Technologien bei Reliance Industries, war besonders von der Qualität und Bandbreite der Vorträge im Technologie-Demonstrationsbereich beeindruckt: „Ich arbeite für ein petrochemisches Unternehmen. Deshalb interessiere ich mich für Akkupacks und möchte herausfinden, wie sich die Lithium-Ionen-Technologie weiterentwickelt. Aus diesem Grund war die Konferenz für mich äußerst interessant.“

Andere Besucher wie etwa Eric Finson, Geschäftsführer von KNRM, richteten ihren Blick auf verschiedene Technologien, die ihnen bei ihren betrieblichen Anforderungen helfen können: „Ich bin gekommen, um mich über den aktuellen Stand der Entwicklung zu informieren und um herauszufinden, wie wir diese Technologien in unserer Organisation für Seenotrettung einsetzen können. Unter technischen Gesichtspunkten war die Technologie auf der Messe sehr faszinierend. Nun müssen wir aber herausfinden, wie wir diese in unserer täglichen Arbeit einsetzen, was eine ziemliche Herausforderung ist. Doch wir müssen dies prüfen, vielleicht nicht im Hinblick auf den Umweltschutz, sondern eher unter dem Gesichtspunkt der finanziellen Vorteile.“

Die Aussteller waren gleichermaßen mit der Qualität der Veranstaltung zufrieden. „Ich stelle seit 2014 jedes Jahr auf dieser Messe aus, und jedes Jahr stelle ich fest, dass sich die Veranstaltung hinsichtlich der ausgestellten Technologien und der Art der Besucher weiterentwickelt“, so Erik Ianssen, CEO, Selfa Arctic. „Die Aussteller treiben sich in Bezug auf Technologie gegenseitig voran. Dies bedeutet größere Innovationen und niedrigere Kosten.“

Pieter Dijkstra, Geschäftsführer von Visedo, erläutert Ianssens Eindruck näher und betont, wie wichtig es ist, auf der Messe als Aussteller vertreten zu sein: „Als ständiger Akteur am Markt müssen wir hier vertreten sein, um uns stärker zu profilieren und uns den Besuchern zu präsentieren, die diese Technologie einsetzen wollen – Schiffseigner, Konstrukteure, Systemintegratoren.“

Grant Brown, Abteilungsleiter Marke und Marketing, PBES, fasst die Gründe zusammen, weshalb sein Unternehmen nächstes Jahr wiederkommen wird: „In den vergangenen Jahren gehörten die größeren Stände normalerweise zu den größeren, stärker etablierten Unternehmen. Doch inzwischen erweitern kleinere Firmen ihre Standgröße. Dies ist ein Indikator, dass das Vertrauen in die Technologie auf Hersteller- und Kundenseite wächst.“

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Zukünftige Messe: Electric & Hybrid Marine World Expo 2020, 23-25 Juni 2020, Halle 12, RAI Amsterdam, Niederlande